Geimpft, gechippt, entwurmt

Seit gestern bin ich einen Schritt näher an der Normailtät. Ich habe mich gegen diesen Unwort-Virus impfen lassen. Beim Hausarzt. Mit Comirnaty, dem BionTech/Pfizer-Impfstoff… ich habe überhaupt keine Nebenwirkungen, wobei diese, dem Hörensagen nach auch eher nach der 2. Impfung auftreten sollen. Die bekomme ich am 02.06.2021… erst danach bin ich auch „komplett“ (d. h. zu 95%) immunisiert. Vorher soll die Spritze aber schon für einen milderen Verlauf sorgen.

Das ganze Prozedere ging Rubbel die Katz‘, am Längsten dauerte das Warten nach der Impfung – man muss noch 15 Minuten im Wartezimmer sitzen, bevor man gehen darf.

Ob ich keine Angst habe, dass sich die Virus-DNA mit meiner verbindet, wurde ich gefragt. Natürlich nicht. Ich habe ja auch keine Angst, dass sich beim Essen eines Steaks die Kuh-DNA mit meiner verbindet. Chips in den Spritzen sind mir auch nicht aufgefallen und Autistin wurde ich zumindest bei meinen letzten Impfungen nicht.

Ich hoffe, dass jetzt bald beschlossen wird, dass Geimpfte nicht für jeden Mist einen Schnelltest brauchen. Und vielleicht könnte man sogar die Außengastronomie wieder öffnen, für Geimpfte und Leute mit negativem Schnelltest… oder die Kinos… am Besten die Kinos!

Andreas Eschbach – Eines Menschen Flügel

Der Boden ist Lava! Erinnert sich noch jemand an das Spiel, bei dem man als Kind halsbrecherisch auf den Möbeln herumsprang und versuchte, den Raum zu durchqueren ohne den magmatischen Teppich zu berühren? So geht es den Menschen im o. g. Buch. Zum Glück verpassten ihnen die Ahnen, die vor hunderten Jahren aus dem Weltraum kamen, Flügel, damit sie auf Bäumen leben können ohne den Boden berühren zu müssen. Der ist zwar nicht Lava aber dennoch tödlich, denn dort lauert der Magor.

Das Leben auf dieser Welt ist friedlich und freundlich. Bsi eines Tages ein junger Mann namens Owen zum wolkenverhangenen Himmel hinauffliegt und ihn durchbricht. Um die Sterne zu sehen. Dieses Ereignis ruft eine Bruderschaft auf den Plan, deren Ziel es ist, die technische Entwicklung der Menschen zu verhindern und den Weg zu den Sternen zu verbauen…

2021 scheint für mich das Jahr der epischen Bücher zu sein. Nach Infinitum ist auch Eines Menschen Flügel ein Fantasy-Science-Fiction-Epos: lang, fesselnd, eine eigene Welt erschaffend. Streckenweise erinnert es mich sehr an Den Herrn der Ringe – mit weniger Gesang und Dichtkunst, natürlich. Auf 1200 Seiten (das Hörbuch ist fast 42 Stunden lang) entführt Eschbach den Leser in ein Land, das dem Auenland in Friedlichkeit und Sympathie in nichts nachsteht. Man möchte nicht, dass dieser Welt und den Menschen in ihren Nestern in den Bäumen etwas Schlimmes widerfährt, ahnt man doch das drohende Unheil.

Dabei stellt Eines Menschen Flügel keineswegs die Frage „Was wäre wenn… die Menschen Flügel hätten?“ sondern eher „Was wäre wenn… technischer Fortschritt unterdrückt würde? Welche Gründe würden das rechtfertigen?„. Wieviel Wert hat die menschliche Zivilisation wenn sie nach Macht und Geld strebt, nach Besitz und Reichtümern? Und wie würden wir leben, hätte es die industrielle Revolution nie gegeben?

Schön wäre gewesen, wenn die Länge des Buches durch fortschreitende Erzählung der Geschichte erreicht worden wäre. Leider ist dem nicht so. Das ist auch der große Kritikpunkt, der aus zahlreichen Rezensionen hervorgeht: der Stil. Die Protagonisten wechseln. Nicht 2 – 3 Personen, die sich abwechseln sondern alle 50 – 100 Seiten ca. ein komplett neuer Hauptakteur, der mitunter auch nur am äußerten Rand der Erzähung erwähnt wurde.

Das führt dazu, dass mitten in einer spannden Szene – schwupps – die Figur wechselt und man sich anschließend erstmal mit dessen Lebensgeschichte / Kindheit / Liebesbeziehungen / persönlichen Problemen ausienandersetzen muss, bevor die Erzählung zur eigentlichen Handlung zurückkehrt. Das ist nicht nur anstregend und langatmig sondern auch verdammt verwirrend.

Hinzu kommen noch die Namen der Figuren. Diese haben als letzte Silbe den Namen ihres Nestes (eine Art Dorf in einem Baum, in dem sie leben). Heißt das Nest bspw. Ris heißen die bewohner Oris, Eyris, Ifnigris, Eteris, Anaris… Ich wusste teilweise nicht mehr, um wen es überhaupt geht, wenn die Perspektive wechselte und hörte einfach weiter zu ohne so richtig einordnen zu können, was gerade passiert. Nach ein paar Minuten kam ich zwar wieder in die Handlung hinein aber ohne diesen konfusen Stil hätte mir das Buch besser gefallen.

Wer sowas mag oder sich daran nicht stört, erhält ein spannendes Buch mit einer tollen Geschichte und großartigen Auflösung… den anderen kann ich das Buch leider nicht empfehlen.

Christopher Paolini – Infinitum ⁂ Die Ewigkeit der Sterne

Christopher Paolini ist das nicht… der, der Eragon geschrieben hat, genau. Und nun begibt er sich aus den Gefilden der fantastischen Literatur in den Weltraum.

Der Leser folgt einer Frau: Kira Navarez, eine Biologin, spezialisiert auf außerirdische Lebensformen. Auf einem fernen Planeten begegnet sie einem Alienrelikt, das sich mit ihr verbindet und sie fortan umgibt, wie eine zweite Haut – aber auch wie ein schützender Panzer. Das Auftauchen dieser sogenannten Softblade führt aber auch zum ersten Kontakt der Menschen mit Außerirdischen – den Jellys. Natürlich nicht in friedlicher Atmosphäre – es gibt Krieg zwischen den Jellys und den Menschen. Und dann tauchen auch noch entsetzlich entstellte Mischwesen auf, die Verdorbenen, die alles und jeden angreifen.

Kira findet sich zwischen den Fronten wieder, da jede Partei gern das Artefakt hätte, das sie in und an sich trägt. Und dieses schickt ihr auch noch Visionen, uralte Erinnerungen, die den Konflikt beenden könnten. Mit der skurillen Crew des Frachters Walfish macht sie sich auf den Weg, Menschen und Jellys zu retten

Infinitum ist epochal und gewaltig. Fast 1000 Seiten stark bzw. 35 Stunden lang (als Hörbuch) erschafft es ein eigenes Universum voller Anekdoten, Gruppierungen, Religionen und liebenswerten Personen. Es ist das erste Buch seit einer Weile, das mir einen richtigen Book-Hangover bescherte.

Book hangover: die Unfähigkeit, sich auf ein neues Buch einzulassen, weil man in der Welt des vorherigen festhängt.

https://www.urbandictionary.com/define.php?term=Book%20hangover

Natürlich gibt es einige Wermutstropfen, diese sind allerdings nur Kleinigkeiten – zum Beispiel die Namen der Raumschiffe. Bei der Extenuating Circumstances tat mir vor allem der Sprecher des Hörbuchs leid, der diesen Zungenbrecher immer wieder vorlesen musste. Die Flotte mit Namen von Städten zu versehen, ist wahrscheinlich gar nicht so untypisch. Da die Menschheit längst vereinigt ist, können das ja auch durchaus deutsche Städte sein. Dass Paolini hier aber ausgerechnet zu Darmstadt griff, kann ich mir nur mit fehlenden Sprachkenntnissen erklären.

Ich würde mich nicht als Raumschiff-Buch-Leser bezeichnen. Science Fiction: ja gern, aber eben Dystopien, nicht Star Wars/Star Trek oder Perry Rhoden. Auch wenn ich cineastisch sowas durchaus ansprechend finde, fehlt mir in der Literatur oft die Vorstellungskraft dafür. Dennoch bin ich froh, Infinitum gelesen zu haben, denn es ist ein spannend und dabei dennoch leicht zu verfolgen und ein Buch zum Mögen, Ich glaube, es würde auch gut als Film(-Trilogie) oder Serie funktionieren – das würde ich gern sehen.